Neuheit für Pflege

Damit pflegende Angehörige gesund bleiben

Initiiert durch die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen und gefördert durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), wurde am 10. Dezember 2008 ein Projekt zu Entwicklung eines Netzwerkes zum „Gesundheitsschutz für nicht erwerbsmäßig Pflegende“ ins Leben gerufen. Das Projekt – kurz „Neuheit für Pflege“ genannt – startet zunächst in Dortmund und Solingen.

Ohne das Engagement Angehöriger wäre die Versorgung pflege- und hilfebedürftiger Menschen kaum möglich. Pflegende Angehörige sind hierbei oft stärker und ganz anders belastet als Pflegeprofis. Neben psychischen und zeitlichen Problemen können auch materielle und körperliche Belastungen bei pflegenden Angehörigen hinzukommen. Gleichzeitig entlasten pflegende Angehörige durch ihre Pflegetätigkeit die solidarisch finanzierten Sozialsysteme und öffentlichen Haushalte. Wer einen pflegebedürftigen Menschen in häuslicher Umgebung und nicht erwerbsmäßig pflegt, steht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Mit dem Projekt „Neuheit für Pflege“ soll die psychische und körperliche Gesundheit der pflegenden Angehörigen geschützt und sie dadurch in ihrem Engagement weiter gestärkt werden. Dazu werden bereits vorhandene Angebote verschiedener Träger zum Gesundheitsschutz nicht erwerbsmäßig Pflegender gebündelt, weiterentwickelt und vernetzt. Durch diese Schritte wird eine stärkere und effektivere Nutzung der Angebote vor Ort erhofft.

Zunächst wird gesammelt und gesichtet. Was ist schon vor Ort vorhanden? Entspricht es dem Bedarf der Pflegepersonen? Hier- bei wird auch Kontakt zu pflegenden Angehörigen hergestellt ohne deren Beteiligung das Projekt nicht zielführend durchzuführen ist. Daran schließen sich weitere Projektschritte an.

Die wissenschaftliche Begleitung unter der Leitung von Dr. Angelika Zegelin wird durch das Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke sicher gestellt.

Derzeitige Träger von „Neuheit für Pflege“ sind: Unfallkasse NRW, Barmer GEK, Landesstelle pflegender Angehöriger, Stadt Dortmund, Stadt Solingen, Ausschuss Gesundheitswesen LAG (Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege).

In der Zeitschrift „Die Schwester/Der Pfleger“ (Ausgabe März 2010) finden Sie auf den Seiten 226 bis 229 einen ersten Bericht über den bisherigen Projektstand.

Hier finden Sie die ersten Produkte unseres Projektes zum Herunterladen.

Notfall-Checkliste
Notfall-Checkkarte

Die Notfall-Checkliste und Notfall-Checkkarte wurden entwickelt, um pflegende Angehörige vom Druck durch die Fragen: „Was passiert, wenn ich plötzlich auf der Straße zusammenbreche und nicht mehr ansprechbar bin? Wer kümmert sich? Wer weiß, dass ich jemanden Pflege?“ zu entlasten. So können pflegende Angehörige für den Fall, dass sie selber plötzlich erkranken oder verunfallen, sicherstellen, dass wesentliche Informationen über die Pflegesituation schriftlich festgehalten sind und die Pflege entsprechend dieser Informationen weitergeführt werden kann.

Die Notfall-Checkkarte, die am besten beim Personalausweis aufbewahrt werden soll, enthält die Information, wer schnellstmöglich zu informieren ist. Darüber hinaus ist der der Aufbewahrungsort der Notfall-Checkliste vermerkt. Ergänzt werden diese Angaben zu Erkrankungen des pflegenden Angehörigen selbst und für ihn notwendigen Medikamenten.

Die doppelseitige Notfall-Checkliste wiederum enthält auf der Vorderseite ausführlichere Informationen über den pflegenden Angehörigen. Auf der Rückseite sind wichtige Informationen für die Pflege/Versorgung der hilfe- oder pflegebedürftigen Person/en aufgeführt. Es kann zudem sinnvoll sein, die Checkliste gemeinsam mit den Menschen auszufüllen, die auf der Notfallkarte als erster Ansprechpartner aufgeführt sind.

„Neuheit für Pflege": Damit pflegende Angehörige gesund bleiben
DerWesten: Pflegen macht jeden Zweiten krank
Von der Sorge, nicht mehr sorgen zu können *
Gesundheitsschutz für pflegende Angehörige *

* mit freundlicher Genehmigung des Bibliomed Verlages

Fachtagung „Fokus pflegende Angehörige – Beim Pflegen gesund bleiben“

Am 06. November 2008 fand in Gelsenkirchen die Fachtagung „Fokus Pflegende Angehörige – Beim Pflegen gesund bleiben“ statt.

Die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen hat mit dieser Veranstaltung eine Lanze für die pflegenden Angehörigen gebrochen. Die Gruppe der „Pflegenden Angehörigen“ von denen es in Nordrhein-Westfalen mehr als 500.000 gibt, steht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. „Diese große Zahl zeigt uns, wie wichtig es ist, unser Augenmerk auf diesen Personenkreis zu lenken und uns in Zukunft verstärkt um dieses Thema zu kümmern, gerade vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Bevölkerung“, so Gabriele Pappai, Mitglied der Geschäftsführung der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen.

„Wir haben mit dieser Fachtagung das Ziel verfolgt und auch erreicht, dass wir den Gesundheitsschutz für „Pflegende Angehörige“ und das Thema „Pflege“ in den Mittelpunkt unserer Diskussionen und Beiträge gestellt haben. Es hat sich darüber hinaus gezeigt, dass alle, die in diesem Bereich tätig sind, von den Netzwerken profitieren und auch lernen können“, berichtet Gabriele Pappai, die die Fachtagung eröffnete, weiter.

Dr. Hanneli Döhner vom Universitätsklinikum Hamburg berichtete über Ergebnisse der europäischen Vergleichsstudie EUROFAMCARE und über die Bildung des Vereins „Wir pflegen – Interessensvertretung begleitender Angerhöriger und Freunde in Deutschland“. Regierungsdirektor Knud van Büren vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen stellte in seinem Vortrag die seit dem 01. Juli geltenden Verbesserungen für pflegende Angehörige im Pflegeversicherungsgesetz in den Mittelpunkt. Über den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz für Pflegepersonen berichtete Frau Kirsten Heider von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen (UK NRW).

Die Vorträge am Nachmittag wurden durch Dr. Angelika Zegelin von der Universität Witten/Herdecke mit einem Bericht über das gemeinsam mit der UK NRW und anderen Kooperationspartnern geplante Projekt „Neuheit für Pflege“ eröffnet. Herr Thomas Butemann von der AOK Westfalen-Lippe berichtete über Präventionsangebote der Pflegekassen für pflegende Angehörige. Ergänzt wurde diese Darstellung durch den anschließenden Vortrag von Frau Silke Niewohner. Als Leiterin der Landesstelle Pflegende Angehörige berichtete sie über die Aufgaben dieser überparteilichen Anlaufstelle und weitere Angebote für pflegende Angehörige im Land NRW.

Die Präventionsangebote der Unfallkasse NRW wurden von Alexandra Daldrup (Unfallkasse NRW) zum Abschluss der gelungenen Veranstaltung dargestellt. Sie machte deutlich, dass die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen zahlreiche Seminare und Lehrgänge vorhält, die für Berufsgruppen konzipiert sind, die mit pflegenden Angehörigen arbeitenden. Diese „Multiplikatorenseminare“ reichen vom „Gesundheitsschutz nicht erwerbsmäßig Pflegender“ und „Umgang mit Trauer und Angst pflegender Angehöriger“ bis hin zu Workshops, in denen über Unterstützungsmöglichkeiten und Wünsche der Teilnehmer diskutiert werden.

Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Veranstaltung aus ambulanten Pflegeeinrichtungen, kommunalen Pflege- und Wohnberatungsstellen und vielen anderen Einrichtungen nutzten die Gelegenheit, mit den vortragenden Referentinnen und Referenten zu diskutieren. Die Diskussionen setzen sich in den Pausen fort. Gleichzeitig bestand für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit sich an Informationsständen der Landesstelle Pflegende Angehörige, der kommunalen Pflegeberatungsstelle PFAD der Stadt Gelsenkirchen und der AOK Westfalen-Lippe tiefergehend zu informieren. Die Firma Petermann bot darüber hinaus die Gelegenheit kleine (z. B. Gleithilfen, Rutschbetter) und technische Pflegehilfsmittel (z. B. Pflegebetten, Wannenlifter) auszuprobieren.

Insgesamt kann die Veranstaltung als Erfolg gewertet werden. „In der öffentlichen Wahrnehmung kommen „Pflegende Angehörige“ leider kaum vor und es ist vor der demografischen Entwicklung dringend Handlungsbedarf angezeigt“, so Pappai. „Kinder, die sehen, wie ihre Eltern bei der Pflege von Angehörigen unter dem Stress leiden und krank werden, werden sich in Zukunft sicher nicht gerne für die Pflege ihrer Angehörigen engagieren. Wenn sie allerdings sehen, dass bei der Pflege von Angehörigen Unterstützung und Hilfe vorhanden ist, dann wird sie dies positiv beeinflussen“, berichtete sie. Im Ergebnis hat die Fachtagung „Fokus Pflegende Angehörige – Beim Pflegen gesund bleiben“ erheblich dazu beitragen, die Situation pflegender Angehöriger mit all ihren belastenden aber auch bereichernden Seiten, in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Unterlagen der Fachtagung